Die Vielfalt technischer Textilien

Die technischen Textilien spielen in Deutschland
und der Region Neckar-Alb eine immer stärkere Rolle.

 Reutlingen. Deutschland ist Weltmarktführer bei der Ausfuhr von Technischen Textilien; gefolgt von den USA und China. Lag der Anteil der Technischen Textilien in Deutschland 1985 noch bei einem Anteil von 5 bis 8 Prozent vom Gesamttextilumsatz (0,94 – 1,50 Mrd. €), waren es 2008 bereits leicht über 50 Prozent vom Gesamttextilumsatz (6,70 Mrd. €). Die positive Entwicklung der Technischen Textilien in Deutschland seit 1985 ist eng verknüpft mit den deutschen Lead Markets wie Automobil, Maschinenbau, Medizintechnik und Umwelttechnik. Diese brauchen immer mehr leistungsfähige und innovative Technische Textilien für ihre Produktneuentwicklungen.


In der Region Neckar-Alb sind rund 40 Unternehmen den Technischen Textilien zuzuordnen. Mit dem neuen Studiengang Technische Textilien an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen wird die qualifizierte Ausbildung weiter gestärkt. Mit den nahen Forschungsinstituten in Denkendorf und Hohenstein verfügt die Region über hervorragende Möglichkeiten bei technisch anspruchsvollen Produkten noch stärker vom erwartenden Wachstum zu profitieren.

Ein weiterer großer Pluspunkt sind die regionalen Textilmaschinenhersteller und insbesondere die Hersteller von chemischen Hilfsstoffen für die Textilindustrie. Die Lösungskompetenz dieser Zulieferer sowie der enge Austausch mit anderen regional starken Branchen wie Automotive und Medizintechnik sind ein entscheidender Vorteil im Zukunftsmarkt Technische Textilien.

Die Region Neckar-Alb ist stark in den Bereichen: Schutz-, Medizin-, Mobil- und Industrietextilien.

Schutztextilien

Textilien schützen Menschen im Allgemeinen vor Wind und Wetter. Sie können aber auch auf extreme Hitze und spezielle Kräfte wie Schnitt- oder Stichkräfte ausgelegt sein. Nicht immer ist dafür eine Ritterrüstung praktikabel, denn gleichzeitig soll der Mensch seine Bewegungsfreiheit beibehalten.

Zum Einsatz kommen diese Textilien beispielsweise im Sport. Der Übergang zu den Funktionsbekleidungen ist dabei fließend. Aber ein Anzug eines Schlittschuhläufers ist, zumal im Trendsport Short-Track, primär dafür ausgelegt, dass die scharfen Kufen den Läufer nicht verletzen. Gleichzeitig muss der Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch gewährleistet sein.

Anwendung finden die Schutztextilien vor allem aber im Beruf. Bei Feuerwehr, Polizei, im technischen Hilfswerk, in der Industrie und im Militär bieten unterschiedlichste Textilien den Menschen bei ihrer tagtäglichen Arbeit Schutz.

Medizinische Textilien

Die Spanne der in der Medizin eingesetzten Textilien ist groß. Sie reicht von Reinigungstextilien und einheitlicher Bekleidung in Arztpraxen bis zu Stents und Gefäßprothesen.

Diese Produkte, zu denen auch Atemmasken, Bandagen, Inkontinenzprodukte, OP-Tücher, spezielle Bettwäsche und Wundverbände zählen, werden in der Region Neckar-Alb hergestellt.Spezielle Verfahren der textilen Ausrüstung sorgen zudem dafür, dass Textilien Eigenschaften bekommen, die für die Gesundheitsvorsorge genutzt werden können. So kann Wäsche so ausgestattet werden, dass Allergiker und Neurodermitiker unbeschwerter Leben können. Gegen die Hausstaubmilbe hilft speziell ausgerüstete Bettwäsche. Neben der Ausrüstung kommen auch Spezialfasern zum Einsatz. Sie wirken beispielsweise antibakteriell oder haben feine Strukturen im Mikro- oder Nanomaßstab.

Regionale Unternehmen stehen für diese Kompetenz, das Know-how und Innovationsfähigkeit in diesem Bereich.Wie innovativ die Lösungen aus der Textilregion-Neckar-Alb sind zeigt z.B., dass das Hechinger Unternehmen Jotec den 1. Preis im Landesinnovationswettbewerb für eine Gefäßprothese erhielt. Dieser Schwerpunkt der regionalen Textilunternehmen steht auch im Zusammenhang mit der starken Medizintechnikindustrie mit Unternehmen wie Bowa, Boso, Erbe, Gambro und Maquet. Der Medizintechnik-Cluster Neckar-Alb ist bekannt für seine Blutdruckmessgeräten, Produkte der Elektromedizin sowie Mobilitätshilfen. High-Tech-Ausgründungen der Forschungsinstitute befassen sich mit Augenimplantaten und Knieknorbel aus Eigengewebe. Dieses Umfeld hat sich offensichtlich positiv auf die heimische Textilindustrie ausgewirkt.